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Waiting for the great leap forwards.

Unzivilisiertes Gekraxel und ein Inselberg in Privatbesitz

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Auch wenn ich selber schon lange keiner Religion mehr angehöre und mir vorbehalte, jederzeit Witze über religiöse Menschen zu machen (v.a. dann, wenn sie einer stark institutionalisierten, rückwärtsgewandten und latent menschenfeindlichen Kirche folgen): Vor heiligen bzw. spirituellen Stätten habe ich ein gewisses Maß an Respekt. Nicht zuletzt deswegen, weil sie meist sehr alt, sehr schön, kulturgeschichtlich relevant und darüberhinaus als bloßer Topos total harmlos sind. Dieser Respekt schließt natürlich auch Rücksicht auf die an den Orten geltenden Verhaltensregeln ein (sofern diese keine Menschenrechte verletzen, was sie sehr selten tun). Ich würde also auf dem Dach vom Petersdom in Rom kein Bier trinken, um später ins Weihwasserbecken zu pinkeln, und von einer Pork-Chop-Party in Mekka würde ich ebenso absehen wie von einer Graffiti-Session an der Klagemauer in Jerusalem. Dieser Respekt dehnt sich natürlich auch auf exotische und vermeintlich primitive Religionen aus. Ich kenne kein Argument, warum der Vater, der Sohn & der heilige Geist ultimativ ein schlaueres Konzept darstellen sollten als die Regenbogenschlange. Womit wir zum Kern dieses Beitrags vordringen: Im Zuge meiner Reise quer durch Australien war ich kürzlich auch am Uluru (kolonial: Ayers Rock), dem wichtigsten spirituellen Zentrum der Aborigines. Und weil die Yankunytjatjara, die Pitjantjatjara und viele andere davon schwer genervt bzw. enttäuscht gewesen wären, habe ich den Berg nicht bestiegen.

Damit gehöre ich zu den ca. 75-80% der zivilisierten Touristen am Uluru. Der viel zu große Rest klettert. Immer noch. Trotz großer Hinweisschilder, schlauer Ranger-Kommentare und einer No-Climb-Kampagne, die de facto seit der Handback-Zeremonie des Felsens an die indigenen Gruppen läuft – das war Mitte der 80er Jahre. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich beim Klettervolk nur selten um Hardcore-Atheisten und -Nonkomformisten, sondern meistens um Menschen, deren religiöse Gefühle man durch eine Sause in Rom/Mekka/Jerusalem sicher erheblich verletzen könnte. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass – laut Rangerauskunft – oben auf dem Felsen regelmäßig gekritzelt, uriniert, defäkiert und sonstwie rumgesaut wird, erscheint das Gekraxel recht verabscheuungswürdig. Mal ganz davon abgesehen, dass die magischen Naturbekenntnisse der Aborigines in den 40.000 Jahren ihres Bestehens vermutlich weniger Schaden angerichtet haben als z.B. Christentum und Islam in jeweils 3 Wochen – und dem Uluru samt Felsmalereien damit sogar besondere Achtung gebühren sollte.

Die Besteigungen sind aber nicht nur respektlos, sie sind auch gefährlich. Fast 40 Todesfälle gab es schon am Uluru – und regelmäßig müssen selbsternannte Felsbezwinger ausgelaugt und verletzt ins (nicht gerade um die Ecke gelegene) Krankenhaus eingeliefert werden. Der Climb ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Dank Tourismuslobby wird er jedoch nicht verboten – sonst müssten die rücksichtslosen Besucher am Ende noch auf die viel interessanteren Walks, Trails und Aussichtspunkte anderso im Nationalpark ausweichen.

Uluru

Uluru: Der ca. 11km lange Base Walk bietet spektakuläre Aussichten und die Möglichkeit, der World Heritage Site einen respektvollen Besuch abzustatten.

Der größere und weitgehend unbekannte Skandal kommt aber noch: Neben dem Uluru und der glücklicherweise weniger strapazierten Formation Kata Tjuta (kolonial: The Olgas) müsste das als Natur- und Kulturerbe bei der UNESO doppelt gelistete Schutzgebiet eigentlich auch Attila (kolonial: Mount Conner) einschließen. Bloß: Dieser Berg befindet sich in Privatbesitz. Ja, richtig gelesen. Seit 1943 gehört der seit zehntausenden von Jahren mit religiöser Bedeutung aufgeladene Ort zur Outback-Station Curtin Springs, die seit 1956 von Peter Severin und seiner Familie bewirtschaftet wird. Eine sonst sehr freundliche Aktivistin und Nationalparkangestellte, mit der ich mich in der Nähe vom Uluru länger unterhalten habe (lieber keine Namen), bezeichnet den heute über 80jährigen Severin als „Imperialisten, Rassisten und Sexisten alten Schlags“. Er hat u.a. mit seiner Rinderzucht (in der Wüste!) das Grundwasser ruiniert, fördert seit Jahrzehnten den Klettertourismus am Uluru (wo er frühzeitig Geländer und Ketten installieren ließ) – und ist eben „Eigentümer“ von Mt. Conner. D.h.: Severin hat auch das Recht, jene Aborigines, die aus traditionellen Gründen über sein gigantisches Grundstück ziehen, wegen Landfriedensbruch anzuzeigen – und er darf gleichzeitig die Asche seiner verstorbenen Familienmitglieder oben auf dem Berg verstreuen. Quasi als ultimative Anmaßung, die er natürlich niemals als solche begreifen würde.

4 Kommentare

  1. Hi Alex!
    Ich war selbst schon am bzw. um den Uluru ( der übersetzt „schattiger Platz“ heißt)drei strapaziöse Stunden lang bei brütender Mittagssonne herum gelaufen. Strapaziös deswegen, weil da kaum ein schattiges Plätzchen zu finden ist, aber mir wäre aus Rücksicht auf die Aborigines trotzdem nicht in den Sinn gekommen, dass auch auf dem Uluru auszuprobieren. Andererseits komme ich nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, dass die dort ansässigen Eingeborenen wirtschaftlich auch gewisse Vorteile mitnehmen, auch von denen, die dort auf den Rücken des Uluru klettern, zumal meines Wissens nach dafür auch noch Eintritt genommen wird.

    Korrigiere mich, falls das aktuell anders sein sollte oder ich mich generell irren sollte, aber wenn es deine grundständige atheistische Lebenseinstellung zulässt, lege mir zumindest keinen Fluch auf, wie das sonst auch den Steinedieben droht.
    Gruß Eric.
    PS: Wann bist Du eigentlich wieder im Lande, lass mal wieder was von Dir hören.

    • Wusste gar nicht, dass du auch schon mal im Roten Zentrum warst. Super! Müssen wir mal ausgiebiger drüber quatschen. Zu deiner Frage: Der Nationalpark kostet Eintritt, was ich in Ordnung finde (zig Angebote für Touristen – und die
      Ranger etc. müssen ja auch leben). Speziell für den Climb fallen keine Gebühren an. Da habe ich auch noch nix von gehört. Ansonsten hatte ich vor, am 29.9. wieder beim Training aufzuschlagen. Montags ist doch noch Training, oder?

  2. Hi Alex!
    Mit Training wird schwer jetzt zu Beginn der Saison, bereits am Mo, 29.9. sind zwei Heimspiele, nur am Do, 2.10.2014 ist lediglich ein Spiel, aber wenn Du bis dahin halbwegs fit bist, darfst Du direkt beim zweiten Auswärts-Spiel gegen DLR antreten, welches statt am Dienstag, 30.10.2014 um eine Woche verschoben werden soll auf Dienstag, 7.10.2014, dieser Ersatztermin ist aber noch nicht sicher. Leider bist Du ja beim ersten Spiel gegen BMI am 23.10.2014 noch nicht dabei. Melde Dich.
    Bis dahin, Eric.

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