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Das Geld des Internets und das Internet des Geldes – eine Anleitung für alle

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Die Ex-Kollegen von O’Reilly versorgen mich auf Wunsch noch immer mit Büchern, weshalb ich so gut sein will, den Verlag auch ab und zu noch mit Reviews zu versorgen. Natürlich ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen (pun intended).

Heute auf dem Prüfstand: Bitcoin – kurz & gut. Banking ohne Banken von Jörg Platzer, der nicht nur Mitglied der Cryto Economics Consulting Group (CECG) und Vorstandsmitglied beim Bundesverband Bitcoin ist, sondern in Berlin auch eine Bitcoin-Bar namens ROOM77 betreibt („the restaurant at the end of capitalism“).

Bitcoin - kurz & gut

Bevor es mit der Buchbesprechung losgeht, sollte ich vielleicht erst noch mal erklären, was Bitcoins eigentlich sind.

In a nutshell: Eine virtuelle, transparente, tendenziell emanzipatorische, versatile, praktisch fälschungssichere, digitale Kryptowährung, hinter der keine Banken und staatlichen Institutionen stehen, sondern eine internationale Internet-Community, die das Geld mittels spezieller Hardware und Software (Open Source) selber produziert und organisiert. Die Geldmenge ist zwecks Inflationsvermeidung gedeckelt, Kurse werden durch Angebot und Nachfrage an freien Tauschbörsen bestimmt (und sind momentan leider noch sehr volatil), Transaktionen sind transparent, lassen sich aber dennoch anonymisieren.

Ich könnte jetzt noch viel mehr schreiben, verweise an dieser Stelle aber einfach auf den Wikipediaeintrag und widme mich der Anleitung von Jörg Platzer.

Laut eigenem Anspruch möchte der Autor alle Aspekte beleuchten, die beim Bitcoin-Handling wichtig sind: “Wie entstehen Bitcoins und wie kommt man sicher und fair an sie heran? Wie bezahlt man damit und wie speichert man sie sicher auf seinem PC oder Smartphone? Was müssen Gewerbetreibende beachten, wenn sie Ihre Waren oder Dienstleistungen in Bitcoins anbieten möchten? Und wie konnte eigentlich ein freies Marktgeld entstehen?”

Um es wiederum kurz zu machen: Die Beantwortung dieser doch recht komplexen Fragen gelingt Platzer hervorragend. In einfacher, klarer Sprache erklärt er das Konzept Bitcoin von A-Z, nimmt einerseits Laien ohne jegliche Vorkenntnisse an die Hand (P2P, Blockchain, Proof of Work, hä?) beantwortet aber auch fortgeschrittene Geek-Fragen (Wie funktioniert das System weiter, wenn es nur noch Transaction Rewards gibt? Wie groß ist die Gefahr der Double-Spend-Race-Attacke, was bieten Overlays and Sidechains für Möglichkeiten?).

Besonders interessant: Die immer wieder eingestreuten Interviews mit Fachleuten aus dem Bitcoin-Umfeld, darunter ein deutscher Jurist, eine isländische Politikerin und ein amerikanischer Software-Entwickler. Sehr gelungen und für mich persönlich extrem wichtig auch das Kapitel “Bitcoin ist Geld”, in dem (national)ökonomische Begriffe wie Wert, Fungibilität, Schuldgeld oder monetäre Oppression diskutiert werden. Hier beantwortet Platzer unter anderem auch die Frage, warum gerade unpolitisches Geld wie Bitcoins am Ende ein echtes Politikum ist.

Nach dem ganzen Lob noch ein wenig Kritik am Buch: Die Timeline am Ende reißt aus mir unerfindlichen Gründen im Dezember 2013 ab, obwohl danach noch viele wichtige Dinge passiert sind (und auch im Text behandelt werden). Außerdem ist die Lektüre der Einstiegskapitel zur Wallets- und Clients etwas dröge (installieren Sie dieses, sichern Sie jenes), wobei ich auch verstehen kann, dass Platzer gerade beim wichtigen Thema Aufbewahrung von Coins eine detaillierte, idiotensichere Anleitung liefern will. Nur hätte man die eventuell ans Ende des Buchs verfrachten können.

Summa summarum ist Bitcoin – kurz & gut ein gelungenes, sehr informatives Sachbuch. Auch Nicht-Nerds sollten es unbedingt lesen, da es eine spannende Technologie mit großem Subversionspotential behandelt, die in der Wirtschaftswelt des 21. Jahrhunderts sicher noch Spuren hinterlassen wird. Davon abgesehen ziert ein niedliches Alpaka das Cover.

Zum Schluss noch ein Veranstaltungstipp für alle, die am 18.11. in Berlin sind: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung lädt zu einem Vortrags- und Diskussionsabend über Bitcoins und Kryptowährungen, bei dem das Thema aus marxistischer Perspektive zerpflückt wird. Eine gute Idee, denn auch wenn Bitcoins besser sein mögen als Dollars oder Euros: Es handelt sich immer noch um Geld – mit allen negativen Implikationen.

Bitcoin – kurz & gut. Banking ohne Banken
Joerg Platzer
1. Auflage, September 2014
ISBN 978-3-95561-650-2
208 Seiten, broschiert
12,90 Euro (Print) / 9,90 Euro (E-Book)

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