lxplm.

Waiting for the great leap forwards.

Ein persönlicher Jahresrückblick oder: Alex hui, Welt ganz pfui

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Global gesehen war 2014 ein furchtbares Jahr. Krisen und Konflikte am laufenden Band (Ukraine, Gaza, Syrien…), abgeriegelte Grenzen in Europa. Zahllose rassistische und sexistische Ausfälle des westlichen Mainstreams (Ferguson, PEGIDA, Gamergate…). Die ganze Welt wurde (und wird!) weiterhin überwacht. Und das Klima ist auch im Eimer. Aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld erreichten mich in den letzten 12 Monaten zudem mehrere Hiobs- und Horrorbotschaften. Krankheit, Tod, Verbrechen, alles dabei. Ich möchte hier nicht auf die Details eingehen.

Das absolut Verrückte aber: Trotz all dieser Dinge, die mich mit emotionaler Wucht trafen, wenn sie vor der Haustür geschahen und zumindest stark beschäftigten, wenn sie sich in größerer Distanz ereigneten – trotz alledem hatte ich persönlich ein sehr gutes Jahr. Vielleicht sogar – es klingt merkwürdig – das beste und schönste Jahr meines Lebens. Das habe ich einerseits Frau K., meiner wunderbaren Partnerin zu verdanken. Und anderseits unserem enorm abwechlungsreichen, befriedigenden Lebensprogramm:

Rückspiegelvogel

Year in re(ar)view.

Mitte Januar endete ein perfekter Urlaub auf Madeira mit der temporären Rückkehr nach Köln, wo meine letzten Wochen bei O’Reilly wie im Flug vergehen sollten. Und zwischendurch war sogar noch Zeit für ein paar Tage Berlin (mein Herz schlägt weiter für Kreuzberg). Ende März/Anfang April kam ich dann in den Genuss eines langen Ausflugs nach New York. Dort hatten Frau K. und ich für mehrere Monate bei zwei NGOs angeheuert, nämlich Doctors Without Borders (sie) und Access (ich). Natürlich bestand das Leben in Manhattan bzw. später Brooklyn nicht nur aus (interessanter) Arbeit, sondern auch aus fantastischen Großstadtstreifzügen und Wochenenden in den Bergen bzw. am Meer. Und dem persönlichen Austausch mit sehr netten Kollegen und Nachbarn. Weil meine Partnerin a) nur mit mittelprächtigen Papieren ausgestattet war und b) irgendwann frohe Kunde von der Uni Bonn erhalten hatte, verließen wir NYC dann im Sommer Richtung Heimat (=NRW West), die allerdings nur kurz Zwischenstation war. Nach Erledigung einiger lästiger Pflichten blieben tatsächlich noch genug Zeit und Penunzen für 66 phantastische Tage in Australien (QLD, NT, NSW, VIC, SA). Pünktlich zum Semesterstart Ende September/Anfang Oktober schlugen Frau K. und ich schließlich wieder in Köln bzw. Bonn auf – und fanden uns erstaunlich schnell wieder im “normalen Leben” zurecht, das allerdings spannend blieb: Neue journalistische bzw. akademische Themen, neue Leute und – in meinem Fall – weitere, kleine Ausflüge, z.B. nach Berlin oder Düsseldorf. Oder in meine Heimatstadt Aachen. Und während ich hier gerade in die Tasten haue, packt Frau K. schon wieder die Koffer: für einen Silvestertrip mit Freunden an die Mosel. Kaum zu fassen, wie privilegiert ich bin, wieviel Glück und wie viele Möglichkeiten ich habe und hatte, vor allem in diesem Jahr.

Ich wünsche euch diese Privilegien auch. Und allen anderen Menschen (außer Rechtspopulisten, Nazis und ähnlichen Schmeißfliegen). In diesem Sinne: Nutzt eure Chancen, schaut euch die Welt an, versauert nicht in eurer Wohnung oder in eurem Büro. Seid offen, neugierig, hilfsbereit, lasst euch nicht von reaktionären Angstmachern einlullen. Geht auf die Straße (und ins Netz) für eure Rechte und für die der anderen. Und trinkt morgen um Mitternacht eine Turbomate auf das neue, für den Planeten und seine Bewohner hoffentlich bessere Jahr. Das war jetzt vielleicht ein bisschen käsig, aber für Textrevisionen fehlt die Zeit. Frau K. ist immer unzufrieden, wenn ich noch am Rechner sitze, und sie schon im Mantel an der Tür steht. Und sie hat ja Recht.

                                    We doctors know
a hopeless case if — listen: there’s a hell
of a good universe next door; let’s go

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