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Fadi kocht syrisch

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fadi_kocht_syrischNormalerweise kaufe und rezensiere ich keine Kochbücher. Bei Fadi kocht syrisch mache ich allerdings gerne eine Ausnahme – aus einer Vielzahl von Gründen:

Da wäre zunächst der Maître de, der mit vollem Namen Fadi Alauwad heißt. Er kommt aus Damaskus, war in seiner Heimat Starkoch (mit eigener TV-Sendung), musste aufgrund des Bürgerkriegs mit seiner Familie flüchten und hat vor ziemlich genau einem Jahr von vorne angefangen – in meiner Heimatstadt Aachen. Dann wäre da die Lektorin des Buches, meine geschätzte Kollegin Corina Pahrmann. Wie quasi alle festen Mitglieder des Fadi-Teams hat sie ehrenamtlich gearbeitet. Schließlich dient das ganze Projekt einem guten Zweck: Der gesamte Erlös geht an die SyrienHilfe.

Habe ich noch was vergessen? Natürlich: Als Vegetarier stehe ich ganz arg auf Falafel, Fattousch, Tabbule & Co. Und als Online-Onkel finde ich es bemerkenswert, dass das Buch auf Initiative von Entrepreneuse Andera Gadeib (die selber syrische Wurzeln hat) in schlappen acht Wochen kollaborativ und mit Einsatz ganz vieler Digitalwerkzeuge entstanden ist. Ihr seht schon: Ich bin voreingenommen. Und natürlich spreche ich gleich einen Kaufbefehl aus:

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Unabhängig von meinem langen Vorspann ist Fadi kocht syrisch aber auch einfach ein schönes Kochbuch. Gut 40 Rezepte hat das Team zusammengetragen, vom milden Gurken-Minze-Joghurt bis zum scharfen Hühnchen ist alles dabei. Die Food Photography (wie es auf Neudeutsch heißt) ist bis auf wenige Ausnahmen sehr gut gelungen. Und die Instruktionen stimmen auch: Fadis syrische Köstlichkeiten lassen sich wirklich prima nachbrutzeln und -rühren. Papier und Druck sind ansonsten hochwertig, das Cover ansprechend und das Format quadratisch-praktisch. Kleine handwerkliche Fehler dürfen vernachlässigt werden.

Ich muss dann aber doch noch eine Portion Kritik loswerden: Den Anspruch, „mehr als ein Kochbuch“ zu sein, kann Fadi kocht syrisch nur sehr bedingt einlösen. Die Liebeserklärung an die syrische Küche, Kultur und Gastfreundschaft ist zwar eine feine Sache – die nahezu vollständige Ausblendung des grausamen Kriegs aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Einige Texte wirken gar ignorant bis bös witzig, was sicher nicht intendiert war:

„Jeder, der die alte Oasenstadt Damaskus besucht, muss einmal von Westen kommend durch den überdachten Suq al-Hamidiye zur Omayyaden-Moschee schlendern. Das tonnenförmige Dach ist Zeitzeuge der arabischen Bewegung, von der uns T.E. Lawrence mit seinem einzigartigen Buch Die sieben Säulen der Weisheit berichtet – heute noch sieht man die Einschusslöcher der Parade zur Feier des Einzugs in Damaskus.“

„…und bestimmt noch ein paar andere!“, könnte man da als Zyniker ergänzen. Aber ich bin ja keiner. Und ich empfehle hiermit noch mal, ein Exemplar der en gros sehr sympathischen Rezeptsammlung fürs heimische Küchenregal zu ordern.

Mehr Infos zum Chefkoch, Projekt und Buch unter: http://fadikochtsyrisch.de/

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