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#Jetzterstrecht – sagen die Kölner Willkommensinitiativen nach #KoelnHbf

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Zu den Ereignissen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht (#KoelnHbf) habt ihr sicher schon eine Menge gelesen. Die gemeinsame Erklärung der Kölner Willkommensinitiativen – das sind alle Gruppen, die sich in meiner Wahlheimat für Flüchtlinge und deren Integration einsetzen – kennt ihr aber vermutlich noch nicht.

Das soll sich hiermit ändern. Der Text ist nämlich kurz und gut. Außerdem habe ich ihn als Vertreter von forum io (und Willkommen in der Moselstraße) mitunterzeichnet:

#jetzterstrecht

Wir sind fassungslos und erschrocken über die sexuellen Attacken auf Frauen und die Raubüberfälle in der Silvesternacht.

Wir sind wütend, wie diese Ereignisse (und damit auch die Opfer) benutzt werden, um rassistische Haltungen und Übergriffe salonfähig zu machen.

Wie es zu diesen schrecklichen Ereignissen kam, ist noch nicht geklärt. Ob sie zu vermeiden gewesen wären, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Als Gesellschaft sollten wir aus ihnen lernen.

In unserer Arbeit mit geflüchteten Menschen haben wir gelernt, Unterschiede wahrzunehmen. Unterschiede, die beleben und bereichern, aber manchmal auch Unterschiede, die verstören.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Diejenigen, die neu zu uns kommen sind Menschen wie wir.

Menschen, die aus größter Not zu uns kommen benötigen unseren Schutz. Sicher gibt es auch Menschen, die sich die Not und unsere Hilfsbereitschaft zu Nutze machen wollen, zum Schaden anderer. In unserem Engagement darf uns das nicht behindern.

Wir glauben, dass Ängste nur durch vielfältige Möglichkeiten der Begegnung abgebaut werden können. Dies ist in Massenunterkünften mit mangelnder hauptamtlicher Betreuung nicht möglich.

Wir fühlen, dass es in Sachen Zuwanderung keine schnellen Antworten gibt. Kenntnis führt aber zu mehr Verständnis, auf beiden Seiten.

Die Entwicklungen der letzen zwei Wochen bestätigen uns in der Gewissheit, dass Integration der richtige Weg ist.

Wir fordern:

  • menschenwürdige Unterbringungen für Geflüchtete. Massenunterkünfte schüren Aggression, Frustration und kriminelle Strukturen.
  • Begegnungsstätten, die ein Miteinander fördern.
  • ein Sozial- und Bildungsprogramm, mit gleichen Chancen für alle. Durch Zukunftsperspektiven – nicht nur für Geflüchtete – schützen wir uns vor Hass und Gewalt. Dadurch schaffen wir langfristig Sicherheit, nicht durch Gegengewalt und Abschottung.

Wir glauben weiter an ein friedvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft auf der Basis gemeinsamer Werte in einem weltoffenen Köln und sagen:

Jetzt erst recht!

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Den Originaltext findet ihr auf der Seite von Willkommen in Nippes. Dort gibt es auch eine Liste aller Unterzeichner, die ständig aktualisiert wird.

Es würde mich freuen, wenn ihr den Aufruf verbreitet (#jetzterstrecht).

Ebenfalls lesenswert, kompakt und gut: die 20 Thesen für einen sachlichen Umgang mit den Vorfällen von Köln von Ivo Bozic. Da sage noch mal einer, die Jungle World könne nur antideutsche Polemik aus dem Kreuzberger Elfenbeinturm. :-)

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