lxplm.

Waiting for the great leap forwards.

29. März 2018
von Alexander Plaum
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The game, not the tools. Oder: Kling, Hawking, yours truly & die Automatisierung

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Ökonomische und soziale Folgen der Automatisierung und Digitalisierung sowie der richtige und der falsche Umgang damit – das ist ein verdammt wichtiges Thema. Und leider eins, über dass noch immer viel zu selten gesprochen wird. In den letzten Wochen hat es mich aber gleich drei Mal hintereinander angesprungen, in unterschiedlichen Zusammenhängen.

Ende Februar habe ich (mit leichter Verspätung) Qualityland gelesen, das neuste Werk von Beuteltier-Bestseller-Autor Marc-Uwe Kling. Es handelt sich um eine grundsolide und witzige Technik-Dystopie, der man einige gestelzte Passagen mit Oberlehrer-Charme gerne verzeiht; ich vergebe 7 von 10 Punkten und empfehle die Lektüre. Der vielleicht interessanteste Erzählstrang verfolgt den Werdegang von John of Us, seines Zeichens KI im Kunstkörper und Kandidat der Fortschrittspartei. Die FP ist quasi die SPD von Qualityland (= BRD 20??), die dort in ewiger „größter Koalition“ mit der Qualitätsallianz (= Union 20??) regiert, endlich auch noch mal was reißen will und – eher aus Versehen und Personalnot – den äußerst fähigen (und sympathischen) JoU ins Rennen schickt. Dessen Hauptgegner sind neben dem rechtpopulistischen bis rechtsradikalen QA-Kandidaten Conrad Koch und seiner Entourage die „Aktivisten“ der VWfdHdM. Das steht für „Vorderste Wiederstandsfront (sic!) gegen die Herrschaft der Maschinen“, eine Art AfD-Verschnitt, der die völkische Ausrichtung jedoch gegen eine ludditische getauscht hat. Größte Herausforderung für John und seine Wahlkampfmanagerin Aisha Ärztin (geborene Flüchtling): Dem aus Gründen nicht ganz so fortschrittlichen Neoprekariat vermitteln, welche Forderungen tatsächlich in seinem Interesse und im Interesse von Qualityland liegen würden.

Zurück in die Wirklichkeit und zu einem HLT-Projekt namens news.bridge, mit dem ich mich gerade beruflich beschäftige. HLT steht für Human Language Technology, und es geht konkret um die möglichst schnelle und unkomplizierte Überführung (audiovisueller) journalistischer Inhalte aus allen möglichen Quell- in möglichst viele Zielsprachen. Mit Hilfe von Machine Learning und künstlichen neuronalen Netzwerken bzw. Google Translate, IBM Watson, DeepL & Co., zusammengeführt in einer versatilen Internet-Platform. Cooles Zeug – nicht zuletzt, weil sich das Konsortium ganz hemdsärmelig am vorhandenen Hi-Tech-Buffet bedient und multilinguale Nachrichteninhalte möglichst vielen Menschen möglichst unkompliziert erschließend will. Bei einem Meeting erfuhr ich kürzlich jedoch, dass sich im Hintergrund Protest regt. Nicht (bzw. noch nicht) gegen das Projekt selbst, aber gegen die Dienste dahinter. „Google Translate – nein danke“ oder so ähnlich. Übersetzer aus dem 20. Jahrhundert sind ganz schön besorgt.

Mitte März nun hat uns der große Physiker und Kosmoserklärer Stephen Hawking verlassen. Ohne sehr weit entwickelte Technik hätte der in den letzten Jahrzehnten seines Lebens übrigens gar nicht (oder nur sehr eingeschränkt) kommunizieren und arbeiten können. Kurze Zeit nach der Todesmeldung bin ich im Netz noch einmal auf Hawkings letzten Post gestoßen, einen vor gut zwei Jahren publizierten Reddit-Beitrag. Der geniale Wissenschaftler schreibt, als Replik auf einen User, der sich nach den Konsequenzen technologisch bedingert Arbeitslosigkeit erkundigt:

If machines produce everything we need, the outcome will depend on how things are distributed. Everyone can enjoy a life of luxurious leisure if the machine-produced wealth is shared, or most people can end up miserably poor if the machine-owners successfully lobby against wealth redistribution. So far, the trend seems to be toward the second option, with technology driving ever-increasing inequality.

Mit anderen Worten: Nicht die Maschinen sind das Problem, sondern der Kapitalismus, zumindest in seiner jetzigen Form.

John of Us sagt in Klings Roman:

Ich weiß, viele von Ihnen haben Angst vor uns. Und unter den gegeben ökonomischen Strukturen nicht mal grundlos. Aber eben darauf will ich hinaus! Die Automatisierung von Arbeit müsste keine Tragödie sein. Ganz im Gegenteil. In einem anderen Wirtschaftssystem wäre sie ein Segen.

Diese Message stößt beim Regierungspersonal großer Industrienationen freilich (weitgehend) auf taube Ohren. Im real existierenden GroKo-Land wurde zum Beispiel gerade erst wieder ein Digitaloberhaupt gekürt, das a) mäßig informiert ist, b) für ein neoliberales bis ultrakonservatives Betriebssystem plädiert, c) keine Probleme damit hat, wenn sich verarmte Autochthone und Migranten um Kuchenkrümel kloppen müssen und d) in erster Linie durch Flugtaxigefasel auffällt. Bemühungen, die (ausreichend vorhandenen) Ressourcen nachhaltig umzushiften und in großem Stil in Bildung und Soziales zu investieren – Fehlanzeige.

Gleichzeitig mangelt es der Zivilgesellschaft und vielen politischen Aktivisten an Fantasie und Verve und Schlagkraft. Automatisierung vorantreiben und gleichzeitig für die wirtschaftliche Absicherung und Teilhabe der Kollegen und Nachbarn eintreten. Coole, sinnvolle, interessante Arbeitsplätze schaffen. Public Service Media radikal reformieren. Zu neuen kreativen Ufern aufbrechen, die nur der Mensch erreichen kann. Die Tech-Giganten stärker regulieren und schlussendlich vergesellschaften, ohne sie zu schwerfälligen Bürokratiemonstern zu machen. Das wäre doch mal was!

Ein Hoffnungsschimmer: Klings subversives Unterhaltungsbuch hat den Sprung in die Bestseller-Listen geschafft, Hawkings Zitat hat sich viral verbreitet, und bei mir im Büro ist es durchaus möglich, konstruktive Diskussionen rund um die gerade angerissenen Themen zu führen. Und wer weiß: vielleicht stellt die SPD ja 2021 aus Versehen und Personalnot einen Roboter als Kanzlerkandidaten auf, der uns alle rettet.

(Photo by Alex Knight/Unsplash)

17. Januar 2018
von Alexander Plaum
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Kleines Update der lxplm-Website, Social-Media-Reduktion und Pläne für 2018

Hallo und frohes Neues!

Zum Jahreswechsel habe ich in meinem digitalen Zuhause ein paar Änderungen vorgenommen, über die ich euch flott informieren möchte.

Zunächst mal habe ich an dieser Seite geschraubt:

  • WP-Installation, -Theme und -Plugins sind nun wieder ganz frisch und safe.
  • Das Portfolio mit externem Geschreibsel – Rubrik „Anderswo“ – ist ebenfalls aktualisiert (und ein wenig entrümpelt).
  • Außerdem verfügt lxplm.net nun über noch mehr coole Header-Fotos. Einfach ein paar Mal auf den Refresh-Knopf drücken. Das schönt auch die Statistik. :-)

Nach der Website-Bastelübung habe ich eine Social-Media-Grübelstunde eingelegt und festgestellt, dass mich die Nutzung einiger Plattformen (bzw. das Aufrechterhalten von Accounts) in letzter Zeit eher genervt als bereichert hat. Daraus habe ich dann schnell Konsequenzen gezogen:

  • Mein Xing-Account ist Geschichte. Berufliches Networking regele ich fortan nur noch über LinkedIn.
  • Mein Ello-Account ist ebenfalls (ersatzlos) gelöscht.
  • Mein (schon länger im Privatmodus betriebener) Facebook-Account kommt auf die Reservebank: Ich werde noch weniger posten/kommentieren/teilen/liken, einige Veranstaltungsfeatures und den Messenger-Dienst allerdings weiterhin nutzen und persönliche Tags nicht ignorieren.
  • Twitter ist und bleibt ein Hauptkanal (für alle möglichen Themen) – aber auch hier möchte ich die Frequenz meiner Posts runterfahren.

Ingesamt geht’s mir darum, reduzierter und entspannter zu kommunizieren. Ich kann eh nicht alle relevanten Themen verfolgen. Und meine Kommentare dürften am Ende des Tages auch nicht soo viele Leute da draußen interessieren. Meine Freund*innen, Kolleg*innen und Social-Media-Homies dürften hingegen längst wissen, was ich cool und was ich scheiße finde.

Was für 2018 nun noch ansteht: Nix Besonderes. Aber vielleicht finde ich ja zwischendurch die Zeit, ein paar nette, halbwegs gehaltvolle Blog-Posts rauszuhauen. Ich habe hier noch tonnenweise Fotos, Playlists, Rezensionsschnipsel, eilig notierte Anekdoten und unvollständige Rants rumfliegen. On va voir.

22. November 2017
von Alexander Plaum
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Der Humor meiner Tochter

a_und_a_2017Dieser Blog-Post ist recht privat, weswegen ich eine Weile gezögert habe, ihn zu veröffentlichen. Da ich meine Tochter aber nicht namentlich erwähne und die gleich folgenden Anekdoten auch nicht mit niedlichen Portraits und privaten Details dekoriert sind, geht das mit der Publikation wohl in Ordnung.

Ich glaube, dass der Beitrag einigen Leuten da draußen gut tun wird. Und zwar vor allem solchen Leuten, denen im Laufe ihres Lebens eine besonders schöne Art von Humor verlorengegangen ist: Der Humor von kleinen Kindern.

Ich habe wohl selbst eine Weile zu dieser Gruppe gehört – womit ich jetzt nicht die Gruppe der kleinen Kinder meine, deren Teil ich natürlich auch mal war, sondern die Gruppe jener Menschen, die sich eben aus dem Humor der Kindenmenschengruppe nicht so viel oder – seien wir ehrlich – de facto gar nichts macht.

Kitschig und süßlich und sentimental ist es doch, über die Scherze von Kindern zu lachen, und eine gute Pointe haben die ja auch in den seltensten Fällen. Bitterböse, meme-gespeiste Politsatire mit exakt kalkulierter Distanz zählt nicht zum Repertoire der kleinen Menschen, die ja noch lernen müssen, dass es eigentlich nicht viel zu lachen gibt. Und dass sich legitimer Humor daher bitte immer auch am System abarbeiten muss. Vor allem in Deutschland!

Alles Unsinn. Kinder sind lustig. Man kann und sollte mit ihnen lachen. Und wenn man selber welche hat, stellt sich das hoffentlich bald ganz automatisch ein. Ohne Anleitung. Ohne Humorkritik. Ganz unschuldig und deswegen ganz toll.

Die drei Scherze von A., aufgezeichnet im vergangenen Sommer, kurz vor und kurz nach ihrem zweiten Geburtstag:

1

Wir stehen im Park. Es grünt und blüht.
„Hallo Papa!“
„Hallo A.!“
A. kommt auf mich zu, kitzelt mich an beiden Händen, läuft dann lachend weg und ruft:
„Ameisen waren das!“

***

2

Wir sind in Italien im Urlaub und machen einen Ausflug. Es ist sehr heiß. Ich muss A. häufig tragen oder im Wagen schieben. Ich schwitze wie bescheuert und gönne mir deshalb am Strandbüdchen ein großes Bier. Obwohl wir erst frühen Nachmittag haben.
„Papa?“
„Ja?“
A. schaut mich missbilligend an:
Bier ist das, Papa! Kein Kinderbier!

***

3

Wir sind zuhause. Der Tag war lang und intensiv. Ich sehe, dass A. bereits vor sich hingähnt und sage: 
„Ich glaube, du gehst jetzt ins Bett.“
Blitzartig spring A. von meinem Schoß, greift sich ein Buch und einen Holzlöffel und ruft:
„Glaube ich nicht!“

Entwicklungspsychologen dürfen übrigens gerne erklären, ob es sich um bewusste Scherze oder zufällig gut remixte Repliken handelt. Mir ist das eigentlich egal. Denn A. und ich lachen ganz viel zusammen. In zehn Jahren werde ich sie fragen, ob sie sich an ihre ersten, durchaus soliden Gehversuche in Sachen Humor erinnert. Und ob sie inzwischen vielleicht Fan von Michael Herbig ist.

Dann wird sie nämlich enterbt, da verstehe ich keinen Spaß.

14. August 2017
von Alexander Plaum
1 Kommentar

Pop & Politics: Neue Songs von Billy Bragg, Propagandhi und Kettcar

sleep_of_reason

The sleep of reason produces monsters.

Just als mitten im Sommer sämtliche Playlists durchgenudelt waren und die Streaming-Dienste der Welt mir scheinbar nichts (relevantes) Neues anbieten konnten, ploppten in meinem Browser ein paar erfreuliche Alerts hoch: Es gab frisches Material von alten Helden zu entdecken.

Beginnen wir mit dem Output von Billy Bragg. Der inzwischen recht bärtige Mann von der Insel zählt seit ca. 20 Jahren zu meinen Lieblingssongschreiben und hat mich selten enttäuscht. Nun, wenige Monate vor seinem 60. Geburtstag (der zufälligerweise mein 40. sein wird) hat er mit zwei Singles die Latte noch mal ganz hoch gelegt. In „The Sleep of Reason“ singt er zu herrlicher Garage-Blues-Schrubbel-Gitarre über den bedauernswerten politischen Zustand der anglo-amerikanischen bzw. westlichen Welt und das post-rationale Zeitalter, das wir letztlich alle zu verantworten haben. Im Country-Folk-Hit „King Tide and the Sunny Day Flood“ geht’s derweil um den real existierenden Klimawandel und seine sehr unangenehmen Konsequenzen. Die beste Textzeile (in „Sleep“) lautet übrigens: „The kids are alt right“ (ein Phänomen, dass sich natürlich auch hierzulande beobachten lässt). Jetzt aber endlich zu den Songs:

Ebenfalls taufrisch: Der ordentlich pustende Punk-HC-Metal-Stomper „Victory Lap“ von Propagandhi. Hierbei handelt es sich um einen Vorab-Track zum neuen, gleichnamigen Album der Kanadier, das Ende September erscheinen soll. Im Gegensatz zu Billy, der ja ein harmloser, freundlicher Sozialist ist, tendierte die Crew Winnipeg schon immer mehr in Richtung Anarchie, Veggie-Burger und erhobener Mittelfinger. Anno 2017 scheint sie wütender denn je zu sein. „Victory Lap“ ist jedenfalls eine harte Abrechnung mit Trumpland, Rechtsruck und der schieren Idiotie der Menschheit, wobei mich der Duktus von Sänger und Gitarrist Chris Hannah schon ein bisschen zucken lässt: Er bzw. das „lyrical I“ im Song ranted los über eine Gesellschaft, bei der Hopfen und Malz verloren ist und wendet sich schließlich – aus atheistischer Perspektive natürlich scherzhaft – an einen strafenden Gott, der (zu amtlichen Double-Bass-Geballer) aufräumen soll: „Stomp the citizens of our clown idiot dingbat society.“ Das finde ich schon ein bisschen stumpf. Aber vielleicht habe ich da auch etwas falsch interpretiert. Besser gefällt mir in jedem Fall die Zeile mit Ayn Rand und dem schwer verwundeten Markt-Fundamentalisten. Den kompletten Text könnt ihr hier nachlesen, und so klingt „Victory Lap“:

Der letzte neue Song, den ich hier vorstellen möchte, heißt „Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“ und stammt von der Hamburger Indie-Rock-Formation Kettcar. Die fand ich zwar musikalisch noch nie so toll – was nicht zuletzt an Marcus Wiebuschs monotonem Nuschelgesang liegt – in Sachen Haltung, Integrität und Cleverness darf sie aber als leuchtendes Vorbild gelten. Die Ende letzter Woche erschienene Comeback-Single (Album folgt im Oktober) überzeugt vor allem durch ihren vielschichtigen Text, der von Flüchtlingen, Fluchthelfern und deutschen Verhältnissen erzählt – und dabei eine Menge interessanter Fragen aufwirft. „Sommer ’89“ kommt übrigens absolut passend zur anstehenden Wahl, bei der ja auch Migrationsthemen eine Rolle spielen werden – und erklärte Ausländerfeinde mit soliden Wahlergebnissen rechnen dürfen. Und hier ist das Lied:

P.S.: Wow, schon der zweite Blog-Post dieses Jahr.

16. April 2017
von Alexander Plaum
2 Kommentare

Endlich. Ein Update. Aus Königswinter.

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To-Do-Liste hin, Zeitmangel her: Irgendwann muss man mal einen neuen Beitrag für sein Blog schreiben, sonst kann man das Ding auch abschalten. Das dachte ich mir in den letzten Monaten ca. 97 mal. Jetzt habe ich mich tatsächlich mal auf den Hintern gesetzt und ein paar Zeilen geschrieben.

Seit dem letzten Eintrag ist eine Menge Zeit vergangen, in der eine Menge beschämende Dinge passiert sind: Brexit, Trump-Land, Sultan Erdogan, AfD-Aufstieg, mehr Abschottung, mehr Ignoranz, mehr staatlicher und nicht-staatlicher Terror, man kommt kaum mit.

All diese Dinge ignoriere ich heute aber. Und liefere stattdessen ein kurzes persönliches Update. Für all die netten Menschen, die ich (leider) nur noch selten sehe, und die zwischendurch auf allen möglichen Kanälen fragen: Was machst du eigentlich gerade so?

Wer sich dafür nicht interessiert, kann diesen Beitrag gerne überspringen. Für den Rest geht es weiter mit dem allerwichtigsten Thema: Meine Tochter.

Tatsächlich wird sie in wenigen Monaten schon zwei Jahre alt, und ich bin weiterhin enorm verliebt und fasziniert. Unglaublich, wie aufweckt und freundlich mein Mädchen ist. Unglaublich, wie souverän sie die Welt erkundet, mit Mensch und Tier auf allerniedlichste sowie erstaunlich effektive Weise kommuniziert – und jedes Fitzelchen Input (und Nahrung) gierig aufsaugt. Unglaublich auch, dass die Kleine seit einigen Wochen nun auch durchschläft – jedenfalls hin und wieder. Eine achtstündige Nachtruhe, das kannte ich schon gar nicht mehr. Danach fühlt man sich ja wie ein junger Gott! Die Energie ist allerdings schnell aufgebraucht, wenn die Tagesmutter mal wieder eine Woche ausfällt, und man als berufstätiges Paar kurzerhand 7×12 Stunden private Kükenbetreuung organisieren muss. Wobei wir zusätzlich ja noch dieses klitzekleine Wohnprojekt mit Riesenbaustelle haben, was mich gleich zum nächsten Thema bringt:

Der in diesem Blog schon erwähnte Malteserhof in Römlinghoven/Königswinter ist wunderschön (gerade jetzt im Frühling!), die dort bereits heimischen Wohnprojektparteien – zu denen wir seit Ende September zählen – verstehen sich ziemlich gut. Aber, aber: Die Umbau- und Renovierungsarbeiten kommen doch eher schleppend voran.

Nein, das wird sicher kein Super-GAU à la Berliner Flughafen, nicht mal eine verdammte Bau-Odyssee wie bei der Elbphilharmonie. Aber es wird noch eine ganze Weile anstrengend bleiben. Volle Transparenz: Eigentlich wollten wir im Oktober 2016 unsere fertige Hütte beziehen, dann war Weihnachten angepeilt – und nun werden wir wohl den Termin Ostern 2017 um mindestens drei Wochen verfehlen. Und wohnen weiterhin in einer zwar gemütlichen, aber doch sehr vollstellten Interimsbude mit Matratzen auf dem Boden. Laut Architekt sind wir aber auf der Zielgeraden. :-)

Immerhin: Jobtechnisch läuft momentan alles sehr smooth, und das obwohl (oder weil?) ich nochmals eine etwas andere Richtung eingeschlagen habe. Nachdem meine Programmstelle für das INTERACTIVE Festival 2016 ausgelaufen und einige kleinere Projekte abgeschlossen waren, bin ich Ende 2016 als „fester Freier“ zu DW Innovation in Bonn bzw. Berlin gewechselt. Und da gefällt’s mir ausgesprochen gut. „Technology to tell big stories better“ lautet das Credo (mit dem ich mich gerne identifiziere), das ebenso sympathische wie kompetente Team sieht so aus, und das hier ist meine erste berufliche Großbaustelle (auf der es allerdings sehr geordnet zugeht). Wer wissen möchte, was die „Innos“ sonst noch so in Petto haben, kann das u.a. in diesem von yours truly verfassten Year in Review Post nachlesen.

Um meine Kräfte etwas zu schonen, habe ich den Dozentenjob bei der Macromedia in Köln zum Ende des Wintersemesters übrigens erst mal an den Nagel gehängt. Bei O’Reilly bin ich aber (selbstverständlich!) weiterhin als Blogger an Bord. Dort gibt es in Kürze ein Jubiläum zu feiern.

Ansonsten möchte ich noch ein (inzwischen abgeschlossenes) Projekt erwähnen, das mich vor allem letzten Herbst und Winter stärker beschäftigt hat: Für den Verband alleinerziehender Mütter und Väter NRW (VAMV NRW) war ich Co-Konzepter und -Autor eines Workbooks mit dem Titel #VernetztEuch. Worum’s im Detail geht, könnt ihr auf dieser Seite nachschauen. Dort könnt ihr das Buch auch kostenlos bestellen – falls ihr es denn tatsächlich braucht, weil ihr alleinerziehend seid. Ich bin es zum Glück (noch) nicht.

Das erinnert mich wiederum daran, zum Schluss meiner fantastischen Partnerin zu danken, ohne die ich den ganzen erwähnten Krempel mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf die Pfanne bekommen hätte: Mille grazie, liebe C.K. – und auf mindestens zehn weitere gemeinsame Jahre! :-)

Ende des Updates. Das nächste kommt hoffentlich schneller.

Ich wünsche euch allen einen schönen Frühling. Bleibt kritisch, menschlich, positiv. Lasst euch nicht einlullen von Schulz-Effekt und Pulse of Europe. Grillt mehr Tofuwürstchen. Und kauft kein Vinyl am Record Store Day!